
Towards Paradise
Eine fotografische Untersuchung über die familiäre Prägung eines Lebensentwurfs und seine Veränderbarkeit.
Kurze Version
Towards Paradise begleitet Herrn M. und untersucht, wie innerhalb einer Familie die Vorstellung eines gelungenen Lebens entsteht. In der engen Gemeinschaft mit seinen Eltern verbanden sich Nähe und Fürsorge mit materieller Sicherheit, gesellschaftlicher Anerkennung und persönlicher Unabhängigkeit. Besonders die Beziehung zu seiner Mutter wurde zum emotionalen Mittelpunkt dieses Lebensmodells.
Heute treffen diese tief verankerten Maßstäbe auf grundlegend veränderte Lebensbedingungen. In Erinnerungen, religiösen Ritualen, biografischen Orten und alltäglichen Begegnungen sucht die fotografische Arbeit nach den Spuren dieser Prägung. Sie fragt nicht, ob Herr M. heute glücklich ist, sondern woran er ein gelungenes Leben bemisst und was er überhaupt als Glück erkennen kann.
Towards Paradise fragt: Kann sich eine tief verankerte Vorstellung davon, wie das eigene Leben sein sollte, verändern – oder wirkt sie selbst dann fort, wenn die Wirklichkeit ihr längst nicht mehr entspricht?
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Detailierte Version
Towards Paradise
Eine fotografische Untersuchung über die familiäre Prägung eines Lebensentwurfs und seine Veränderbarkeit
Unsere Vorstellung eines gelungenen Lebens entsteht nicht unabhängig. Sie formt sich innerhalb familiärer Beziehungen, gesellschaftlicher Erwartungen und übernommener Wertvorstellungen – häufig lange bevor wir sie als unsere eigenen erkennen. Towards Paradise untersucht, wie sich ein solcher Lebensentwurf im Menschen verankert und ob er sich unter veränderten Bedingungen neu bestimmen lässt.
Ausgangspunkt ist die Biografie von Herrn M. Im Zentrum seiner Herkunft steht eine außergewöhnlich enge familiäre Gemeinschaft. Mit seinen Eltern bildete er ein nahezu geschlossenes Dreierbündnis, das von außen als die „drei Musketiere“ bezeichnet wurde. Diese Familie war zugleich gelebte Zugehörigkeit und der Ort, an dem sich seine Vorstellung eines guten Lebens herausbildete. Nähe, Fürsorge, materielle Sicherheit, gesellschaftliche Anerkennung und persönliche Unabhängigkeit waren darin nicht voneinander getrennt, sondern Teil derselben inneren Ordnung.
Herr M.s Streben nach wirtschaftlichem Erfolg lässt sich deshalb nicht einfach als Wunsch nach Reichtum lesen. Geld versprach Unabhängigkeit, Schutz und die Möglichkeit, das vertraute Leben zu erhalten. Darin liegt eine zentrale Spannung des Projekts: zwischen der Familie als erklärtem Ursprung seines Glücks und den materiellen Bedingungen, die dieses Glück absichern sollten.
Als sich seine äußeren Lebensbedingungen grundlegend veränderten und später auch seine Mutter starb, verschwand dieser innere Entwurf nicht. Vielmehr tritt nun hervor, wie dauerhaft er sein Selbstbild, seine Erinnerungen und seine Wahrnehmung der Gegenwart bestimmt. Was bleibt von einer Vorstellung des gelungenen Lebens, wenn die Bedingungen, aus denen sie entstanden ist, nicht mehr existieren?
Die fotografische Arbeit bewegt sich zwischen Herrn M.s gegenwärtigem Alltag, biografischen Orten, Erinnerungsstücken, religiösen Bildern und Momenten der Begegnung. Sie rekonstruiert keine lineare Lebensgeschichte. Stattdessen sucht sie nach den Spuren eines verinnerlichten Lebensmodells: in Gesten und Räumen, in Ritualen, Erzählungen und wiederkehrenden Bildern. Dabei entstehen Spannungen zwischen Nähe und Abhängigkeit, Selbstbestimmung und Fürsorge, materieller Sicherheit und emotionaler Zugehörigkeit, Erinnerung und gegenwärtiger Erfahrung.
Im Zentrum steht nicht die Frage, ob Herr M. heute glücklich ist. Entscheidend ist, nach welchen Maßstäben er sein Leben betrachtet und was er überhaupt als Glück erkennen kann. Ist Glück eine gegenwärtige Erfahrung – oder wird es erst im Rückblick sichtbar? Kann ein Mensch seine Vorstellungen verändern, oder erhalten alte Werte lediglich eine neue Sprache? Und wie viel von dem, was wir für unser persönliches Begehren halten, wurde bereits durch unsere Herkunft in uns angelegt?
Towards Paradise versteht das Paradies nicht als einen konkreten Ort oder einen endgültig erreichbaren Zustand. Es bezeichnet eine innere Vorstellung davon, wie das Leben sein sollte – eine Vorstellung, die Orientierung gibt, aber auch den Blick auf andere Möglichkeiten begrenzen kann.
Das Projekt begleitet Herrn M. bei der offenen Frage, was von dieser Vorstellung bleibt, was sich verändert und ob ein gelungenes Leben unter neuen Bedingungen anders gedacht werden kann.








