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Beyond the Gallop - Short Version

Beyond the Gallop ist eine fotografische und multimediale Arbeit über Hobby Horsing als zeitgenössische Jugendkultur, als Raum der Identitätsfindung und als Gemeinschaft zwischen digitaler und analoger Welt.

Was auf den ersten Blick spielerisch wirken kann, zeigt sich von innen als ernsthafter, körperlich anspruchsvoller und sozial bedeutender Raum. Mädchen und junge Frauen finden über TikTok, Instagram und geteilte Videos zueinander, trainieren, tauschen sich aus und begegnen sich später bei Turnieren in ganz Europa. Aus digitalen Kontakten entstehen reale Freundschaften.

Gleichzeitig ist dieser digitale Raum ambivalent: Er kann Safe Space, Bühne und Ort der Selbstermächtigung sein, aber auch Angriffsfläche für Spott, Hasskommentare und sexualisierte Reaktionen. Die Arbeit fragt, warum bestimmte Formen jugendlicher und weiblich geprägter Kultur so schnell belächelt werden — und was es bedeutet, trotzdem mit Freude, Präzision und Ernsthaftigkeit weiterzumachen.
Die Süddeutsche Zeitung schreibt: Hier geht´s zum Artikel.

Long Version

Beyond the Gallop ist eine fotografische und multimediale Arbeit über Hobby Horsing als zeitgenössische Jugendkultur, als selbstorganisierten Sport und als Raum der Identitätsfindung. Die Serie blickt über den ersten visuellen Eindruck hinaus: Mädchen und junge Frauen springen mit selbstgebauten oder gekauften Steckenpferden über Hindernisse, trainieren Bewegungsabläufe, üben Disziplin, Präzision und Ausdruck. Was für Außenstehende zunächst ungewöhnlich oder spielerisch erscheinen mag, zeigt sich von innen als komplexe soziale Welt.

Hobby Horsing hat seinen Ursprung in Finnland und ist inzwischen in vielen europäischen Ländern sichtbar geworden. Die Bewegung liegt zwischen Sport, Performance und kollektiver Vorstellungskraft. Sie verbindet körperliche Anstrengung mit Fantasie, Wettkampf mit Gemeinschaft, Ernsthaftigkeit mit Spiel. Gerade diese Mischung macht das Phänomen so interessant: Es entzieht sich einfachen Kategorien und stellt die Frage, welche Formen von Jugendkultur gesellschaftlich ernst genommen werden — und welche nicht.

Ein zentraler Aspekt der Arbeit ist die Verbindung von digitaler und analoger Welt. Viele Teilnehmerinnen entdecken Hobby Horsing zuerst über TikTok, Instagram oder YouTube. Dort sehen sie andere springen, trainieren, scheitern, sich verbessern, Pferde gestalten und Turniere besuchen. Social Media wird zu Trainingsraum, Bühne, Archiv und Treffpunkt. Mädchen, die sich zunächst nur über Kommentare, Likes, Nachrichten und Videos kennen, begegnen sich später bei Wettbewerben im realen Leben. Aus digitalen Kontakten entstehen Freundschaften, die über Städte und Länder hinweg reichen.

Gerade in einer Zeit, in der Europa von politischen und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, wirken diese selbstorganisierten Verbindungen besonders stark. Die Freundschaften entstehen nicht über Institutionen, sondern über geteilte Leidenschaft, digitale Nähe und körperliche Begegnung. Hobby Horsing wird so auch zu einem Bild für eine junge europäische Gemeinschaft: informell, vernetzt, verletzlich und real.

Gleichzeitig bleibt der digitale Raum ambivalent. Er kann Schutzraum, Bühne und Ort der Selbstermächtigung sein, aber auch Angriffsfläche. Die Mädchen werden online häufig mit Spott, Hasskommentaren, sexualisierten Reaktionen und abwertender Sprache konfrontiert. Die Arbeit interessiert sich für diese Spannung: Wie kann ein Raum, der Freiheit und Zugehörigkeit ermöglicht, gleichzeitig verletzbar machen? Warum werden weiblich gelesene Jugendkulturen so schnell belächelt oder abgewertet? Und was bedeutet es, trotzdem sichtbar zu bleiben?

Die Kamera bewegt sich zwischen Beobachtung und Nähe. Sie zeigt Trainingseinheiten, Turniere, Vorbereitungen, Sprünge, Porträts und stille Momente. Dabei geht es nicht darum, Hobby Horsing als Kuriosität oder Spektakel zu zeigen. Die Bilder suchen Konzentration, Verletzlichkeit, Stolz, Disziplin, Freundschaft und Selbstbehauptung. Die Arbeit verweigert Ironie und Herablassung. Sie nimmt die Teilnehmerinnen und ihre Welt ernst.

Im Ausstellungskontext kann die fotografische Serie durch Video- und Textebenen erweitert werden. Kurze Videosequenzen von Sprüngen und Training machen die Körperlichkeit, den Rhythmus und die sportliche Dimension sichtbar. Eine textliche Ebene kann die digitalen Reaktionen, Missverständnisse und Anfeindungen aufgreifen, mit denen die Community konfrontiert ist.

Beyond the Gallop ist damit keine Arbeit über einen ungewöhnlichen Sport allein. Es ist eine Arbeit über Identität, digitale Zugehörigkeit, Resilienz, Freundschaft und den Mut, einen eigenen Raum zu bewohnen, bevor die Außenwelt gelernt hat, ihn zu verstehen.

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