
LOVE GAME - Ein fotografisches Projekt über Vereinsgelände als soziale Räume im Wandel.
Zwischen Mitgliederboom, Ehrenamtskrise und dem Verlust von Gemeinschaft
Detailierte Projektinfos:
Love Game ist ein fotografisches Dokumentations- und Reflexionsprojekt über den Wandel der Vereinslandschaft in Deutschland. Ausgangspunkt des Projekts ist die Stadt Köln, die exemplarisch für aktuelle Entwicklungen steht. In insgesamt über 10 besuchten Vereinen richtet sich der Blick nicht auf die Mannschaften selbst, sondern auf die Vereinsgelände – Plätze, Clubhäuser und Infrastrukturen als soziale Räume, in denen Gemeinschaft, Zugehörigkeit und ehrenamtliches Engagement über Jahrzehnte hinweg verankert waren.
Das Projekt untersucht die zunehmende Fragilität des Vereinswesens, das traditionell auf freiwilliger Selbstorganisation beruht. Während Vereine lange Zeit als eine Art Ersatzfamilie fungierten, geraten diese Strukturen heute unter Druck. Eine sinkende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, trifft auf einen Alltag, der von Zeitmangel, Flexibilitätsansprüchen und beruflichen Belastungen geprägt ist.
Dabei zeigt sich ein widersprüchliches Bild: In Metropolen wie Köln verzeichnen Vereine – insbesondere nach der Corona-Pandemie – teils einen starken Mitgliederzuwachs. Sportarten wie Tennis erfuhren eine neue Popularität, da sie unter pandemischen Bedingungen vergleichsweise gut ausübbar waren. Gleichzeitig bleibt das grundlegende Problem bestehen: Mitglied zu sein bedeutet nicht automatisch, sich zu engagieren. Ehrenamtliche Aufgaben, Organisation und Pflege der Anlagen werden immer seltener freiwillig übernommen.
In ländlichen Regionen stellt sich die Situation anders dar. Durch Landflucht und demografische Veränderungen schrumpfen die Mitgliederzahlen teils drastisch. Um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können, werden Mannschaften zusammengelegt, Spieler:innen treten für mehrere Teams an, Wettkämpfe können nur noch gemeinschaftlich organisiert werden. Die Vereinsgelände bleiben als Orte bestehen – doch ihre soziale Funktion steht auf dem Spiel.
Love Game macht diese Spannungen sichtbar. Die Fotografien zeigen Orte, die zugleich belebt und fragil, gepflegt und bedroht wirken. Sie erzählen von einem Vereinssystem im Umbruch, in dem der Wunsch nach Zugehörigkeit weiterhin existiert, während Verbindlichkeit und langfristiges Engagement zunehmend brüchig werden.
Auch wenn Tennis oft als elitär wahrgenommen wird, ist es heute ein breiter, gesellschaftlich verankerter Sport. Gerade deshalb eignet sich das Vereinsgelände als exemplarischer Ort, um grundlegende Fragen nach Gemeinschaft, Verantwortung und Zusammenhalt in einer sich verändernden Gesellschaft zu stellen














