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MOOSH BOKHORATET - Ein fotografischer Blick auf die Mehrdeutigkeit religiöser und politischer Symbole im Iran. Zwischen offizieller Bildsprache, Alltagsraum und individueller Wahrnehmung

MOOSH BOKHORATET∙ Der persische Ausdruck ∙Moosh bokhoratet∙ bedeutet wörtlich „Eine Maus soll dich essen“. Je nach Kontext kann er jedoch auch als liebevolle Geste verstanden werden – etwa im Sinne von „Du bist süß“. Ob der Satz zärtlich oder ironisch gemeint ist, hängt davon ab, wer ihn zu wem sagt. Diese sprachliche Ambivalenz bildet den Ausgangspunkt des fotografischen Projekts ∙Moosh bokhoratet∙.

Die fotografische Dokumentation gibt Einblicke in die Vielschichtigkeit des Irans und thematisiert die Doppeldeutigkeit von Zeichen, Symbolen und Gesten im öffentlichen Raum. Im Fokus steht die gesellschaftliche Situation der Iraner:innen im Mai 2022 – wenige Monate vor den landesweiten Unruhen im September. Die Fotografien zeigen, wie religiöse und politische Symbole allgegenwärtig sind und wie sie sich selbstverständlich in Landschaften, Städte und Alltagsräume einbetten.

Ein zentrales Thema des Projekts ist der Einsatz ikonischer Zeichen des Mullah-Regimes im öffentlichen Raum und die Frage, wie politische Macht über visuelle Codes kommuniziert wird. Viele dieser Zeichen bleiben für europäische Betrachter:innen zunächst unverständlich oder wirken widersprüchlich. ∙Moosh bokhoratet∙ lädt dazu ein, diese Symbole nicht vorschnell zu deuten, sondern ihre Mehrdeutigkeit auszuhalten und eigene Lesarten zu entwickeln.

Das Projekt versteht sich weniger als erklärende Dokumentation denn als visuelle Annäherung. Es stellt Fragen nach Bedeutung, Wahrnehmung und Interpretation – Antworten dürfen im Blick der Betrachter:innen entstehen. Die Arbeit entstand parallel zu einer Auftragsarbeit für das iranische Tourismusunternehmen Road Iran Different und bewegt sich bewusst im Spannungsfeld zwischen offizieller Darstellung und persönlicher Beobachtung.

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